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Wake up Europe! We Help to Build the European House!

Vierzig Mitglieder der Föderation Karawane 2000, Menschen mit und ohne
Behinderung, trafen sich vom 2. bis 6. Februar 2011 in Bernau, Deutschland, um zu
beraten, wie Menschen mit Behinderung bestärkt werden können, ihre
Lebensbedingungen auf der Basis der UN-Konvention über die Rechte für Menschen
mit Behinderung positiv zu beeinflussen.
Die Diskussion konzentrierte sich auf vier Themen aus der Präambel der UNKonvention:
1. Freiheit der eigenen Entscheidung
Dies bedeutet nach Meinung der KonferenzteilnehmerInnen:
Das Recht, das eigene Leben zu kontrollieren; das Recht, Bildungsstätten und
–inhalte zu wählen, das Recht, zu lieben und geliebt zu werden, Beziehungen
eigener Wahl zu haben, mit einem Partner zu leben, zu heiraten und Kinder zu
haben, das Recht, ein persönliches Budget zu verwalten.
2. Das Recht auf Inklusion
Dies bedeutet nach Meinung der KonferenzteilnehmerInnen:
Das Recht, „normale“ Dinge im „normalen Leben“ zu tun: Gitarrenspiel zu erlernen,
mit anderen Menschen zusammen sein, mehr Gelegenheiten haben, neue Freunde
kennen zu lernen, den Führerschein zu machen, zu reisen, zu einem Fußball- oder
Eishockeyspiel zu gehen, Restaurants und Supermärkte zu besuchen; die Rechte
von Menschen mit Behinderung sollten unter den allgemein gültigen Gesetzen
formuliert werden statt in speziellen Gesetzen für Menschen mit Behinderung, das
Recht auf Arbeit für den Mindestlohn, einen Arbeitsplatz oder ein
Tagesstrukturprogramm zu wählen, das Recht, in verständlicher Weise über jeden
Aspekt oder Bereich des eigenen Lebens informiert zu werden, das Recht, Mitglied
einer Musikband zu sein.
3. Das Recht auf Respekt
Nach den Erfahrungen der Karawanenmitglieder fördern und erhöhen Beharrlichkeit
und Engagement die Wahrscheinlichkeit, Respekt zu erlangen. Allein der Versuch,
nett zu sein, tut dies nicht. Respektlose Handlungen müssen angesprochen werden,
so dass sie korrigiert werden können; Respekt für das Tempo, in dem Dinge getan
werden, um eine gute Art der Kommunikation zu finden, ist erwünscht; Höflichkeit ist
ein offener Ausdruck von Respekt; „behindert“ heißt nicht unfähig – ein Bekenntnis
zum lebenslangen Lernen ist notwendig; das Recht, als guter Mensch anerkannt zu
werden (im Gegensatz zur Stigmatisierung); wir waren
beeindruckt von der Idee des schwedischen Konzepts „kamratstodjare“;
Gemeinschaften bilden, die frei von Gewalt und Diskriminierung sind.
4. Gleiche Möglichkeiten und gleicher Zugang
Die KonferenzteilnehmerInnen regten an, dass:
mehr Bilder und Symbole als Ergänzung zu Schrifttexten gebraucht werden.
Menschen haben fünf Sinne, die genutzt werden können, um Botschaften zu
übermitteln; das Recht auf regelmäßige Ferienreisen, mehr Gebrauch von einfacher
Sprache überall und immer; mehr Einsatz von Braille, z. B. müssen Fahrpläne in
Braille veröffentlicht werden, jede Stadtverwaltung muss einen Ansprechpartner
benennen, der den Zugang für Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen
vereinfacht; das Bewusstsein dafür ist gefordert, dass Änderungen im
Verkehrswesen Blinde und andere Menschen mit Behinderungen gefährden; es gibt
Bedarf an mehr individueller Unterstützung; der Schaffung barrierefreier Umgebung
muss mehr Aufmerksamkeit zuteil werden; das Recht, ein eigenes Zuhause
auszuwählen muss respektiert werden; Möglichkeiten zum Kompetenzerwerb in
Bereichen wie Aggressionsbewältigung, Problemlösung, Kommunikation,
zwischenmenschliche Beziehungen müssen verfügbar sein.
Weiterhin haben die TeilnehmerInnen zum Ausdruck gebracht, was Menschen mit
Behinderung sich wirklich wünschen:
Unterstützung durch Familie, Freunde und Fachpersonal; wissen, wo und von wem
Unterstützung zu erhalten ist und Zukunftspläne zu haben; freien Zugang zu Bildung;
einkaufen und in Cafés gehen; reguläres, monatliches Einkommen; reguläre,
bezahlte Arbeit; Studium und Ausbildung nach Wahl; mit Freunden in einer Wohnung
leben; Klavier spielen und singen, eine gute Kombination aus Lebensgestaltung,
Arbeit und Freizeit; Selbstbestimmung; Vertrauen erhalten.
Die TeillnehmerInnen haben folgende Gründe für ihre Unzufriedenheit aufgeführt:
Ein Gefühl, dass das eigene Leben durch andere bestimmt wird; das Fehlen von
Informationen schränkt die Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten ein; Fehlen von
Unterstützungs- und Hilfeleistungen; begrenzte Anzahl von Entscheidungsalternativen.
Folgender Bedarf an Mitteln, Kompetenzen und Unterstützungsleistungen oder
-erbringern wurde von den TeilnehmerInnen zur Realisierung ihrer Wünsche als
notwendig angesehen:
Familie, Freunde und Lebenspartner; Assistenten; Lesen; Schreiben; Kochen;
Waschen; Einkaufen; Ernährung und medizinische Versorgung; Gärtnern; finanzielle
Unterstützung durch den Staat; Schule und Lehrer; Geld.
Fazit:
Die Erfüllung der Wünsche kann erreicht werden – hierfür müssen leicht zugängliche
Angebote vorgehalten werden, z. B.:
Überwindung sprachlicher und kommunikativer Barrieren, kultureller Unterschiede,
Bereitstellung klarer Konzepte, Förderung kurzer Erklärungen in einfacher Sprache,
schrittweise, angemessene Vermittlung von Nachrichten und Hilfe bei der
Formulierung von Aussagen in Wort und Bild.
Erleichternde Methoden wie „Open Space“ und „World Café“, die während dieser
Konferenz genutzt wurden, sollten im Gegensatz zu traditionellen Reden und
Arbeitsgruppen die Norm werden.
Die UN-Konvention wurde für Dich und mich gemacht, also zögere
nicht und setze dich für Deine Rechte ein!

 

Karawane 2000 - Bernau am 05.02.2011

Neuenhagener Erklärung

Wir sind Europa! Nichts über uns ohne uns!

Die Mitglieder der Karawane 2000, einem Netzwerk für Vielfalt und Verständigung in Europa, appellieren an die Unterzeichner-Staaten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, diese zu ratifizieren und in die Praxis umzusetzen.

Gute, effektive Service-Modelle sind bekannt und verfügbar,

aber werden nicht ausreichend finanziert !
Alte und ineffektive Dienstleistungen müssen beendet und die finanziellen Mittel, die diese aufrechterhalten, umverteilt werden !
Die heutige Regel sollte die Ausnahme werden:
Mehr gemeinsame Bildung - weniger Sonderschulen !
Mehr unterstützte Erwerbstätigkeit auf dem „ersten Arbeitsmarkt" - weniger Behinderten-Werkstätten !
Mehr Gemeinwesen orientierte, individuelle Wohnmöglichkeiten - weniger institutionelle Betreuung !

Das ist unsere Vision von Chancengleichheit !

Die Karawane 2000 mit seinen Mitgliedern, die in 15 Ländern tätig sind, verfügt über ein Netzwerk und den kulturellen Pluralismus, um zu notwendigen Veränderungen einen signifikanten Beitrag zu leisten !

Wir wollen an diesem Erneuerungsprozess aktiv teilhaben !

Jedes Land muss garantieren, Menschen mit Behinderungen gleichberechtigten Zugang in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wohnformen, Arbeit und Freizeitgestaltung zu gewährleisten. Menschen mit Behinderungen müssen außerdem an politischen Prozessen aktiv beteiligt sein !

Der Abbau von Schranken beginnt in den Köpfen !

Individuelle Fähigkeiten ermöglichen die Teilhabe und die aktive Mitgestaltung der Gesellschaft, in der wir leben. Menschen mit Behinderungen sind potentielle Akteure in der Gestaltung integrativer Gemeinwesen. Sie stellen auch eine ökonomische Kraft in der Gesellschaft dar, deren Potential noch weiter entfaltet werden kann.

‚Am Du zum Ich werden'. Der Mensch kann seine Persönlichkeit nur entfalten, wenn er mit anderen Menschen in Interaktion tritt. Daher sind wir für Inklusion statt Ausschluss !
Menschlichkeit orientiert sich an der Kompetenz, Stärke und Sensibilität eines jeden Individuums.

Gemeinsam lernen - gemeinsam leben - gemeinsam gestalten: Inklusion bedeutet, dass wir alle die gleichen Schulen besuchen, dass wir gemeinsam in den gleichen - in körperlicher und geistiger Hinsicht barrierefreien - Räumen arbeiten und jede Kultur respektieren.

„Nichts über mich ohne mich !" Jeder Mensch ist ein Experte in eigener Sache !

Die Karawane 2000 steht für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Angelegenheiten, die sie selbst betreffen.

Alle Formulierungen in der männlichen Form sollen sich ebenfalls auf das weibliche Geschlecht beziehen !

 

Karawane 2000, Neuenhagen 28. -31.05.2007

Hadamarer Erklärung

Wir sind Europa!

Nichts über mich ohne mich, denn ich kann für mich selbst sprechen!

Die Mitglieder der Karawane 2000, einer großen Gruppe für Vielfalt und Verständigung in Europa und seinen Nachbarländern, begrüßt die Einsetzung der UN-Konvention (Vertrag der Vereinten Nationen) über die Rechte von Menschen mit Behinderungen!

Die UN-Konvention ist ein wichtiger Schritt in Richtung gleiche Chancen für Menschen mit Behinderungen! Trotzdem lässt ihre Situation Einiges an Wünschen offen:


Gute und wirkungsvolle Hilfen wurden entwickelt. Sie müssen noch mehr eingesetzt werden und brauchen gute Geldmittel.

In den meisten europäischen Ländern besuchen Kinder mit Behinderungen oder besonderem Bedarf Sonderschulen und können nicht in die allgemeine Schule gehen.

Menschen mit Behinderungen haben seltener einen Arbeitsplatz in allen europäischen Ländern als Menschen ohne Behinderung im gleichen Alter. Menschen mit besonderem Hilfebedarf müssen oft in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten, wo die Bezahlung niedrig ist. Manchmal gibt es z. B. keine Krankenversicherung oder Rente.

Viele Menschen mit Behinderungen wohnen in Wohnheimen. Die meisten Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf würden lieber in ihrer Stadt in einer eigenen Wohnung oder einer Wohngruppe leben. Ihre Familien fänden das auch besser.

Nur, dass man dabei ist, heißt noch nicht, dass man dazu gehört. Es ist deutlich, dass Menschen mit Behinderungen heute weniger Zeit weg von zu Hause verbringen. Sie haben weniger Freizeitangebote. Sie fühlen sich weiter weg von den Städten oder Dörfern, in denen sie leben als Menschen ohne Behinderung.

Wir bemerken täglich, dass Menschen mit Behinderungen nicht genauso behandelt werden wie Menschen ohne Behinderung. Sie werden of schlechter behandelt!

Wir stimmen dem Inhalt der UN-Konvention und ihrer Veränderung von 1997 zu. Wir glauben, dass „Behinderung ein natürlicher Teil des menschlichen Lebens ist und in keiner Weise die Rechte des Menschen schwächt auf ein unabhängiges Leben. Das heißt, selbst zu bestimmen, was man machen möchte, sich auszuwählen, was man machen möchte, zum Leben in der Gemeinde beizutragen, eine gute Arbeit zu finden und voll dabei zu sein in der wirtschaftlichen, politischen, sozialen, kulturellen und bildungspolitischen Mitte der Gesellschaft.

 

Karawane 2000, Hadamar 17. - 21. März 2010

Caravan 2000 International

European Movement for Diversity and Understanding

Besuchen Sie die internationale Seite

http://www.caravan2000.eu/

 

Die Übersetzung der Seite in Leichte Sprache wurde ermöglicht durch Förderung aus dem Programm JUGEND in AKTION

 

 

 

 

 

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